slowenische Kunst.


slowenische Kunst.
slowenische Kunst.
 
Der romanische Stil wurde in Slowenien durch die Benediktiner verbreitet, die dort 1140 in Gornji Grad nahe Kamnik (bei Ljubljana) ihr erstes Kloster gründeten. Die Sakral- und Profanbauten folgten mitteleuropäischen Vorbildern wie die Zisterzienserkirche in Stična bei Ljubljana (1156 geweiht) und Sankt Georg in Ptuj (1125 ff.). Von romanischer Plastik und Malerei ist nur wenig erhalten. Die Gotik setzte sich erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts durch (Marienkirche in Ptujska Gora bei Ptuj, um 1400). Höhepunkte der gotischen Architektur in Slowenien sind das Langhaus von Sankt Cantianus in Kranj (um 1450), Sankt Primož in Kamnik (1459 ff.), Sankt Jakob in Škofja Loka bei Kranj (1471 ff.) und der Chor der Marienkirche in Crngrob bei Škofja Loka (1521-30). Die venezianische Architektur war u. a. richtungweisend beim Bau von Dom (begonnen in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts) und Prätorenpalast (1386-1452) in Koper, die neben gotischen Stilelementen auch solche der Renaissance aufweisen. Zu den Meisterwerken gotischer Bildhauerkunst gehören der vom Einfluss der Parlerwerkstatt geprägte »Altar von Celje« (um 1400) und die Schutzmantelmadonna (um 1410) des Hauptaltars der Marienkirche in Ptujska Gora. Die Wandmalerei gewann an Bedeutung mit Malern wie Johannes Aquila aus Radkersburg (Marienkirche in Turnišče bei Ptuj, 1383 ff., und Martinskirche in Martjanci nahe Murska Sobota, bei Ptuj, 1392) und Janez Ljubljanski (Kirche Mariä Verkündigung in Muljava bei Stična, 1456; Peterskirche in Kamni Vrh nahe Ambrus, bei Ljubljana, 1459). Bedeutende Beispiele der slowenischen Barockarchitektur entstanden v. a. in Ljubljana: Dom (1700-07), Dreifaltigkeitskirche (1718-26), Seminar (Bibliothek, 1708-14), Rathaus (1717-18) von Gregor Macěk (* 1682, ✝ 1745), dem bedeutendsten Vertreter dieses Stils. In der Malerei waren Valentin Janez Metzinger (* 1699, ✝ 1759), Franc Jelovšek (* 1700, ✝ 1764), Fortunat Bergant (* 1721, ✝ 1769) und Anton Cebej (* 1722, ✝ 1774) führend, in der Bildhauerkunst Francesco Robba (* um 1698, ✝ 1757) und Luca Mislej (✝ 1727). Im 19. Jahrhundert orientierten sich in der Architektur die Vertreter von Klassizismus und Historismus an Wiener Vorbildern. Das Gleiche gilt zunächst auch für die Malerei (u. a. Matevž Langus, * 1792, ✝ 1855), die dann jedoch auch Anregungen des französischen Realismus und Impressionismus aufnahm (Janez Šubic, * 1850, ✝ 1889, und Jurij Šubic, * 1855, ✝ 1890). Anton Ažbè (* 1862, ✝ 1905) hatte mit seiner Privatschule in München großen Einfluss auf die slowenischen Impressionisten (Ivan Grohar, * 1867, ✝ 1911; Rihard Jakopič, * 1869, ✝ 1943; Matija Jama, * 1872, ✝ 1947). Eine sozialkritische Kunst vertrat Franc Tratnik (* 1881, ✝ 1957). In der Architektur deutete sich im Zusammenhang mit der Wiener Sezession durch J. Plečnik und seine Mitarbeiter eine neue Entwicklung an.
 
Innerhalb der modernen Architektur der Gegenwart, die internationalen Strömungen aufgeschlossen ist, zeigte sich bis Mitte der 1970er-Jahre teils die Betonung lokaler Bautradition, teils eine Orientierung an der skandinavischen Architektur. In der Folgezeit spielte in der architekturtheoretischen Diskussion u. a. die rationale Architektur Italiens eine Rolle (z. B. in Sežana [nahe Triest] Rathausanbau, 1978, und Bürogebäude, 1986, von Votjeh Ravnikar, * 1942). Im Wohnungsbau traten in Ljubljana mit guten architektonischen Lösungen u. a. Božo Podlogar (* 1947), Janez Koželj (* 1945) und Jurij Kobe (* 1948) hervor, der auch das dortige Museum für Zeitgeschichte erweiterte (1990-91). Aleš Vodopivec (* 1949) baute das Seehotel in Bohinjska Bistrica in der Wochein (1990).
 
Die moderne bildende Kunst knüpft an nationale Traditionen an, zeigt sich aber auch für westeuropäische Kunstrichtungen offen. Nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung des grafischen Schaffens hat die Grafikbiennale von Ljubljana. Aufgrund des engen Kontaktes zur österreichischen Kunstszene schon immer äußerst lebendig, entfaltet die Kunst in Slowenien seit der Auflösung Jugoslawiens eine ungewöhnliche Breite. Wichtige Impulse gingen von der Ende der 60er-Jahre gegründeten Künstlergruppe OHO aus, deren Programm die experimentelle Erweiterung des avantgardistischen Kunstbegriffs war. Die Mitglieder Srečo Dragan (* 1949), Iztok Geister (* 1945), Marko Pogačnik (* 1944), Andraž Šalamun (* 1947), Tomaž Šalamun (* 1941) u. a. brachten in ihren Aktionen Literatur, Skulptur, Malerei und Theater ein, und es entwickelte sich in den 90er-Jahren eine Kunstlandschaft, deren eigentümlichste Qualität eine ungebrochene Lust am ironisch-assoziativen Spiel ist. Die Künstlergruppe IRWIN (Dušan Mandič, * 1954; Miran Mohar, * 1958; Andrej Savski, * 1961; Roman Uranjek, * 1961; Borut Vogelnik, * 1959) hatte schon in den 80er-Jahren Kunst, Musik und politischen Protest in Ausstellungen verbunden, wobei die Tradition begründet wurde, dass der einzelne Künstler nicht beziehungsweise nur als anonymes Mitglied einer Gruppe an die Öffentlichkeit tritt. Gruppen wie »Scipion Nasice Sisters Theater«, »Kozmokinetično Gledalisče Rdeči Pilot« und »Laibach« nutzen die neuen Medien. Einige einzeln arbeitende Künstler, so Dušan Kirbiš (* 1953), Zmago Lenardič (* 1959), Tadej Pogačar (* 1960) und Nataša Prosenc (* 1966), vertreten ökologischen Positionen. Auf der Biennale in Venedig 1995 wurden u. a. die in den USA lebende Plastikerin Marjetica Potrč (* 1954) und eine Gruppe von Malern (1984-95 aktiv unter der Bezeichnung V. S. S. D., »Ves sliker svoj dolg«) vorgestellt.
 
 
L. Menaše: Kunstschätze Sloweniens (a. d. Slowen., Belgrad 1982);
 J. Anderlič u. M. Zadnikar: Kunst in Slowenien (a. d. Slowen., Wien 1985);
 M. Komelj: Slovensko slikarstvo XX. stoletja. Striche. Slowen. Malerei im XX. Jh. (Ljubljana 1997).

Universal-Lexikon. 2012.

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